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SYH Oldies - "Stein und Wein"

Zürichsee-Reisli zu 'Stein und Wein' vom 26.September 2019

organisiert und von Anfang an dabei : Liane und Helmuth Stanisch (Obmann) und Rosemary und Ueli Steiger, Esther und Hädé Seifert, Ruth und Werner Maurer, im Laufe der Reise dazugestossen: Rös Abegg, Maria und Albert Kunz (Gründungsvater der Oldies), Marjatta und Hansruedi  Landolt, Marlies und Lucas von Schulthess, Lucie Wyss,  Frederik Vornholt,  Marcel Andris; nicht mehr dabei: Urs Wyss (Wegbereiter der Clubhauserweiterung 2007) , Edgar Stromer (Gründungsmitglied unseres Clubs 1973) mit seiner Christine.

Zuerst waren es acht wetterfeste, der morgendlichen Nässe trotzende SYH-Oldies, die der Einladung zum diesjährigen Oldiesreisli gefolgt waren und sich unter verhangenem Himmel im geschichtsträchtigen Rebberg der Meilemer Chorherren ob der Seehalde trafen.
Ja, Geschichte war ja unter dem Reisli-Motto «Stein und Wein» angesagt, und wie!
Unser Weg führt uns mit wunderschönem Blick in Richtung der in der Morgendämmerung liegenden Glarner Alpen an tropfenden, schon etwas herbstlich eingefärbtem Rebenlaub vorbei.
Wir laufen mit einem von Ueli gewecktem Bewusstsein über glaziale Ablagerungen mehrerer limnische Horizonte aus Mergel, Kalk, Nagelfluh und Knauer- und Glimmersandstein.
Wir lernen bei einem ersten, im Chorherren Rebberg aus mitgebrachten Gläsern professionell geschlürften und gebissenen Schluck den roten (!) Räuschling kennen. Einen lachsfarbenen Wein «mit intensiven Aromen von Rosen und Caramel mit milder Säure und einem vollen Körper»...  
Und das noch vor der sexta hora!
Wir erfahren dabei aber auch, dass sich unsere Alpengletscher vor rund 25’000 Jahren am stärksten ausgebreitet haben und bis ins Alpenvorland vordrangen. Für «Klimaveränderungverängstigte» war es sicher auch beruhigend zu hören, dass sie sich in den letzten 120'000 Jahren bereits über zehn Mal ausgebreitet und wieder zurückgezogen haben. Wir lernen zudem, dass wir uns derzeit bis zum gänzlichen Abschmelzen einer der Pole in einem Eiszeitalter befinden.
Da wir aber nicht auf die kommende Warmzeit warten wollen, können, wärmen wir uns beim Verkosten weiterer autochthoner Tropfen auf, die wir ja, wie wir lernen, dem wüchsigen Boden (Terroir) der Chorherren und Seehalde aus verwittertem Moränenschutt und Molasse zu verdanken haben, der die Reben gut und tiefgründig wurzeln lässt.
Nach dem ersten und grosszügigen Löschen des (Wissens-) Durstes treffen wir am Bahnhof Meilen und Uetikon weitere Oldies, die mit uns auf der Fahrt nach Rapperswil an uns vertrauten, aber von Ueli nun geologisch zugeordneten Rebhängen vorbeifahren. U.a. dem Lattenberg und dem Höcklistein, die noch an den Glanz vergangener Zeiten erinnern.
Nach ein paar Schritten im aufhellenden Wetter besteigen wir die Stadt Rapperswil, die uns im edlen Salon unter Dampf und ohne Havarie über späteiszeitliche Bodenlehme und die harte Nagelfluh Felsbank der Synklinalen Wädenswil-Stäfa mit dem bei uns Seglern gefürchteten Stäfner Stein zur Halbinsel Au überführt. Die Fahrt über den See inspiriert auch zu alten (Oldy) Erinnerungen an unsere Segelabenteuer. Beim Blick hinüber an die «Goldküste» können wir feststellen, dass das Ufer im Gegensatz zum linken Ufer (Wollerau!), immer noch von schönen Reblagen geprägt wird, die das unschöne Siedlungsband unterbrechen. Dennoch, die einst fast 2000 Hektaren Rebfläche hat sich heute auf 170 Hektaren verringert. Drei wunderschöne Kupferstiche von Heinrich Brupbacher zeigen die ganze Pracht der damaligen Zürichseeufer im Jahr 1794. Das Lavaux lässt grüssen!
Nach Atem raubenden Aufstieg auf den Eiszeitschotterkegel der Halbinsel Au treffen wir noch auf weitere Oldies, sodass Helmuth in der Buurestube des Landgasthofes Au mit üblich launischen Worten insgesamt 18 (!) SYH-Oldies begrüssen kann.
Nach üppigem Mal und lebhaften «Wäisch-No»-Gesprächen, überrascht uns Helmuth mit einem Wermuthstropfen. Nach zehn (!) Jahren verdienstvoller Präsidialzeit äussert er den nachvollziehbaren Wunsch zurückzutreten und schenkt uns Zeit über seine Nachfolge nachzudenken. Keine Zeit brauchen wir hingegen bereits an dieser Stelle, ihm für sein wertvolles Engagement für uns Oldies ganz herzlich zu danken!
Anschliessend besuchen wir gestärkt und auch etwas weinselig das eindrückliche Weinbaumuseum, das in einer grosszügig umgebauten Scheune, nebst unzähligen interessanten historischen Rebbaugegenständen eine noch funktionstüchtige, 13 Meter lange und 250 Jahre alte (1761) Eichenbaumpresse beherbergt.
Unter kundiger und engagierter Führung eines pensionierten Lehrers und Seglers erfahren wir erneut Wissenswertes.

Nach einer letzten Degustation eines «Sauren, der in der Heimat rann», der mit der eindrücklichen Trotte abgepresst wurde, geht der wunderschöne Tag mit vielen Eindrücken und unterhaltsamen Gesprächen im Freundeskreis zu Ende und wir machen uns individuell auf den Heimweg.
Mit der Fähre fahren wir auf dem Wasser über kreidigen Lagen und Lehm mit dem kriechenden Lockergestein des Seegrundes, diesmal die Antiklinale Käpfnach-Grüningen rechts von uns lassend, unserer Start-Ziellinie zu.
In Meilen gehen wir an Land, nicht ohne vorher nochmals, nun mit Kennerblick demütig, hinauf auf die Sandsteinbänke oberhalb der schönen Rebhänge von Seehalde und Chorherren zu blicken.

Für den Bericht zeichnet Hädé Seifert